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Ein großes Verdienst des Vereins war es, 1992 die Erinnerung an den aus Windschläg stammenden Maler Carl Jutz in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit zu rücken. In mühevoller Kleinarbeit gelang es Karl Joggerst, Lebensdaten des bekannten Malers aufzuspüren und in einem Buch in Zusammenarbeit mit einem Düsseldorfer Galeristen und dem damaligen Offenburger Museumsleiter Leben und Werk des Malers vorzustellen. Die damalige Ausstellung im Offenburger Ritterhaus-Museum mit zahlreichen Bildern von Carl Jutz stieß auch überregional auf großes Interesse.

Carl Jutz (der Ältere, wie er sich später nannte, nachdem sein gleichnamiger Sohn sich als Landschaftsmaler einen Namen gemacht hatte) entstammt einer alten Windschläger Familie. Geboren wurde er am 22. September 1838 in Windschläg. Er war das vierte von neun Kindern des Schuhmachers Joseph Jutz und dessen Ehefrau Ottilia geb. Zettwoch. Carl Jutz entstammt keinesfalls einer kunstsinnigen Familie, seine Vorfahren waren Handwerker, Tagelöhner oder Landarbeiter.

1845 zog Joseph Jutz mit seiner Familie in das kleine Dorf Beuern, heute ein Stadtteil von Baden-Baden. Möglicherweise war die wirtschaftliche Situation der Grund für den Umzug. Die Mitte des 19. Jahrhunderts ging später als Not- und Hungerjahre in die Geschichte Windschlägs ein. In Beuern wurde die Familie von schweren Schicksalsschlägen getroffen. Im Februar 1848 verloren die Kinder die Mutter und eines der Geschwister. Ein weiterer Bruder verstarb zwei Jahre später. Im Herbst 1853 verließ Joseph Jutz mit seinem Sohn Pirmin Deutschland und wanderte ohne Staatserlaubnis nach Amerika aus. Der damals 15jährige Carl blieb in Beuern zurück. Seine Schwestern Adelheid, Theresia und Cäcilia blieben ebenfalls, in Obhut eines Onkels in ihrem Geburtsort Windschläg zurück, sie verließen Deutschland nachweislich erst im Jahr 1855.

Carl Jutz kam in die Obhut des in Baden-Baden arbeitenden holländischen Malers August Knip. Von diesem bekam er die ersten Anleitungen zur Tiermalerei. Im Baldreit-Museum in Baden-Baden ist ein in dieser Zeit entstandenes Ladenschild einer Barbierstube ausgestellt, außerdem besitzt das Museum ein von Jutz gezeichnetes Bleistiftporträt eines Kindes von Knip.

Ab 11. April 1861 ist Jutz in München registriert. Nachdem er zunächst seinen Lebensunterhalt mit Porträts bestritt, wandte er sich nach und nach dem Tiergenre zu. In München machte er unter anderem die Bekanntschaft von Ludwig Willroider und Anton Braith, unter deren Einfluss er sich nur noch der Tiermalerei widmete. Eine Akademie besuchte er dort nicht. Auf Studienreisen fand er Kontakt zu Düsseldorfer Malern und ließ sich 1867 in Düsseldorf nieder, wo die meisten seiner Werke entstanden. Am 15. Juni 1868 heiratete er Sybilla Karolina Adloff und bezog mit ihr ein Haus, in dessen großem Garten auch Enten- und Hühnerställe angelegt wurden. Seine Motive fand er somit direkt vor der Haustür. Carl Jutz verzeichnete beachtliche Erfolge, insbesondere als Gefllügelmaler. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Pfaffendorf bei Koblenz. Jutz starb am 31. August 1916.

Jutz war in seiner Zeit ein sehr erfolgreicher Maler, dessen Gemälde in den damaligen Ausstellungen zwischen Hamburg, Dresden, München und Wien auf großes Interesse stießen. 1867 stellte Jutz auf der Pariser Weltausstellung, 1879 in Sidney, wo er eine Medaille erhielt und 1881 in Melbourne aus. Seine Hauptwerke waren auch in England und den USA begehrt, deutsche Museen in Düsseldorf, Karlsruhe, Mannheim, Biberach, Breslau und Königsberg sicherten sich noch zu Lebzeiten des Malers Bilder aus seinem Schaffen. Seine Bilder erzielen auch heute noch hohe Preise.

Die Thematik von Jutz erstreckte sich fast ausschließlich auf das Federvieh in ihren Hühnerhöfen. Dabei gruppierte er die Tiere mit nahezu fotografischer Genauigkeit vor dem Hintergrund ländlicher Szenerien, die besondere Intensität der Farben fällt ins Auge. Seltener malte er auch andere Tiere sowie Landschaften.

Im Lexikon der Düsseldorfer Malerschule heißt es über seine Werke: "Gegen Ende der 1880er Jahre vermehrte er sein Bildpersonal um einen farbenprächtigen Pfau inmitten gemeinen Enten- und Hühnervolks. Kennzeichen seines kompositorisch und technisch vollendeten Œuvres sind niedriger Betrachterstandpunkt bei räumlicher Nähe zu den Tieren und ihrem Lebensraum, Farbbrillanz, ausgeprägte Licht-Schatten-Kontraste, unter Zuhilfenahme einer Lupe platzierte feine Pinselstriche zur minutiösen farblichen und stofflichen Wiedergabe von Details, Präzision bei der naturgetreuen Nachahmung der Tieranatomie sowie genaue Beobachtung artspezifischer Verhaltensweisen".

Im Jahr 1992 war eine große Carl Jutz-Ausstellung im Offenburger Ritterhaus-Museum zu sehen.



Literatur:

Thieme-Becker, Band 19. 1926, S. 356.

Karl Joggerst: Der Tiermaler Carl Jutz aus Windschläg. In: Die Ortenau., Band 68, 1988, S. 505–512.

"Künstler aus Offenburg", Band 3: Carl Jutz (Joggerst/Paffrath/Hirte)

Lexikon der Düsseldorfer Malerschule: 1819–1918. 3 Bände. Hrsg. Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof & Galerie Paffrath, Düsseldorf

 
Das Geburtshaus von Carl Jutz in Windschläg. Familie Jutz im Garten des Düsseldorfer Hauses um 1910.

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